10. – 21.6.2015
Dank der Gailtalart hatte ich ja schon etwas Symposium Erfahrung, trotzdem war ich ziemlich aufgeregt, als ich in Udine ankam. Wir waren insgesamt 11 Künstlerinnen aus unterschiedlichen Ländern, die während dieser Tage gemeinsam arbeiten würden. Es war mein erstes Symposium dieser Art: Unterkunft, Verpflegung, Materialien wurden – dank Sponsoren – zur Verfügung gestellt, dafür würde das Mosaik beim Sponsor bleiben. Unsere Sponsoren waren Firmen aus Manzano, die Sessel produzierten. Und das erklärt dann auch schon unsere Aufgabe bzw. unser Thema. Jede von uns bekam von einem Sponsor einen Sessel zur Verfügung gestellt, den wir irgendwie mit Mosaik bearbeiten sollten. Dazu wurden keinerlei weitere Vorgaben oder Verbote ausgesprochen – wir hätten die Sessel auch zerlegen und neu zusammenfügen können.
Über das Thema Sessel wurden wir schon vorher informiert, um Ideen und Konzepte entwickeln zu können. Ich entwickelte drei unterschiedliche Ideen. Dazu machte ich – noch bevor ich wußte, wie mein Sessel ausschauen würde – Skizzen von einem Sessel, der … naja … halt so aussah, wie man sich einen Sessel so vorstellt. Zum Glück erhielt ich noch vorab ein Foto. Vorweg, mir hat mein Sessel vom ersten Moment an richtig gut gefallen – er war nur nicht das, auf was ich vorbereitet war. Statt vier Sesselbeinen war es ein Drehsessel, anstelle klassischer Sitzfläche und Lehne war alles an dem Sessel rund und anstelle von Holz oder festem Kunststoff war der Sessel – das erfuhr ich allerdings erst im Studio von Giulio Menossi unmittelbar bei Start des Symposiums – mit Ausnahme des Standfußes weich. Aber er war definitiv schön. Ich entschied mich für die Rosenvariante – das war optisch auch meine verspielteste Variante.
Dank meiner Teilnahme an den Symposien in Rattendorf hatte ich bereits eine Strategie, wie umfangreich ich mein Mosaik gestalten kann. Zu viele unbekannte Parameter (verfügbare Zeit, Materialien, Kaffee- und Proseccopausen, …) haben mich bereits gelehrt, meine Werke „flexibel“ zu planen. Das bedeutet, dass ich je nach Fortschreiten bzw. nicht vorhersehbaren Unterbrechungen mehr oder weniger Module mache. In diesem Fall waren die Module Blüten und Blätter. Mein Ziel war, dass der Sessel mit (Wild)Rosen überwachsen sein sollte, Die Smalti klebte ich dafür auf ausgeschnittene Aluminumformen, die ich im Anschluss am Sessel befestigte. Zudem wurde der Sessel mit einem Hasengitter überzogen, an dem echte Äste, die Mosaikblüten und -blätter in Folge darauf verteilt wurden. Da der Sessel aber auch noch als Sessel erkennbar bleiben soll, war das Ganze asymmetrisch geplant. Ich hatte das Glück, auch eine Schaufensterattrappe eines BlackBerry-Phones zu haben, welches im Metallgitter gefangen an unsere im Internet bzw. mit elektronischen „Spielzeugen“ verlorene Zeit symbolisiert, anstatt dass wir das Leben einfach nur leben. Das Dornröschen von heute braucht also keine sie verfluchende Hexe und Spindel an der sie sich sticht, um in einen „100jährigen Schlaf“ zu verfallen. Heute sind wir alle ein wenig Dornröschen und verschenken unsere wertvolle Lebenszeit an eine virtuelle Welt.
So unterschiedlich wir Künstlerinnen waren, so unterschiedlich waren die Sessel schon in ihrem „Rohzustand“ und noch unterschiedlicher war, was wir daraus machten. Giulio Menossi als künstlerischer Leiter ließ uns gewähren, stand aber mit Rat und Tat zur Seite, wenn Probleme, Unsicherheiten oder auch Bestätigung gefragt war. Gespräche unter uns, individuelle Erfahrungsberichte, das gegenseitige Beobachten und Lernen war spannend, inspirierend und lockte auch den Improvisationsgeist hervor.
Die Arbeit begann täglich in der Früh, wurde zu Mittag für eine Essenspause unterbrochen und ging dann bis zum Abend. Kaffee, Prosecco … ja, wir lebten auch ein wenig Klischee. Wir waren in Italien und da wurde natürlich nicht nur gearbeitet, sondern es wurde auch die beste Gastgeberseite gezeigt: Wir wurden kulinarisch richtig verwöhnt – und zwar reichlich. Zudem gab es einen Ausflug zu einem Weingut, einen Abstecher nach Cividale und in den Ort Clauiano, eines der „Schönsten Dörfer Italiens“ in der Nähe von Udine. Mehr oder weniger ungeordnet Eindrücke des Symposiums von der Arbeit aber auch von dem, was diese Tage sehr besonders gemacht hat:
In Clauiano gab es am Ende auch eine Große Feier, in der unserer Werke präsentiert wurden, und zwar in der Villa Manin Guerresco in einem großen Veranstaltungssaal. Die Italiener stellten auch hier wieder unter Beweis, wie sie feiern können, die Geselligkeit lieben und natürlich gutes Essen und guten Wein.
Im Anschluss kamen die Sessel in die unweit der Villa Manin liegenden Galerie, wo sie für einige Zeit ausgestellt blieben, bevor sie an unsere Sponsoren übergeben wurden.
Edit: In den folgenden Jahren war mein Sessel immer wieder bei einzelnen Ausstellungen dabei – u.a. 2018 in Grado. Zum Abschluss aber gebe ich hier noch den Katalog hierher, damit wirklich alle Sessel, die Sponsoren des Symposiums und natürlich auch alle Künstlerinnen gezeigt werden.














































































































































































































