Kleben auf Netz
Nach dem Prinzip der fertigen Mosaikfliesen, die es unter anderem auch in Baumärkten zu kaufen gibt, startete ich nun mit dem Kleben der Steine und der Smalten, die, um die Geschichte zu verkomplizieren deutlich unterschiedliche Stärken aufwiesen, auf ein Netz. Dazu hatte ich mir eine zweite Kopie des Mosaiks in Originalgröße anfertigen lassen – dieses Mal praktischerweise in einem Stück – und legte diese wieder auf einen großen Karton. Darüber eine Plastikfolie als Trennmedium, damit die Teile später nicht auf der Kopie kleben. Darauf legte ich das Glasfasergitter. Die Kopie war, wenn auch nicht mehr mit allen Details, noch recht gut durch das Plastik mit seinen Lichtreflexionen und das Gitter zu erkennen. Ich habe schon genügend Erfahrungen bei deutlich kleineren Projekten gemacht, um zu wissen, dass ich nicht alles wirklich eins zu eins vom Gelegten auf das Gitter werde kleben können. Aber der Sinn des losen Legens war ja vor allem einmal das Zuordnen und Aufteilen der Farben und das Auffinden markanter Teile, die ich an die ursprünglichen Stellen legte. Das Gesicht mit dem Heiligenschein war übrigens die einzige Arbeit, die ich auf einem Tisch machte, alles andere bevorzugte ich direkt am Boden zu arbeiten, was der Größe des Mosaiks geschuldet war. Wäre dies auf Tischhöhe, hätte ich aufgrund des über den Tisch Beugens vermutlich meine Wirbelsäule recht schnell einem Physiotherapeuten vorstellen müssen. So konnte ich – für mich – bequem am Boden hockend bereits die Steine sortieren, zuordnen und jetzt eben auf Netz kleben.
Das Antlitz des Auferstehenden war eine Herausforderung, da ich hier vieles an Niveauunterschieden auszugleichen hatte und dies bei zum Teil sehr kleinen Steinen. Zudem betrachtet man ein Gesicht einfach immer genauer und wenn ich nun schon dabei war, das Mosaik zu rekonstruieren sollte das Gesicht am Ende doch so nah wie möglich am Original sein. Irritierte mich beim Kennenlernen die scheinbare Einfachheit des Gesichts, zeigte sich beim Kleben durchaus Rafinesse bei Farben und Größe der Steine. Mit einer auf den ersten Blick einfachen Anordnung bekam das Gesicht durch die intensive Beschäftigung damit für mich immer mehr an Tiefe und Ausdruckskraft. Als der Kleber gut durchgetrocknet war, konnte man es als Platte gut aufheben.





Nachdem diese Generalprobe gelungen war, setzte ich die Arbeit am Boden fort. Durch das Ausgleichen großer Niveauunterschiede ging die Arbeit recht langsam voran, zudem nutzte ich an dieser Stelle noch die Gelegenheit zu kleineren Korrekturen, wenn mir die Farbzuordnung doch nicht ganz gelungen schien. Allerdings konnte ich dies nur mit der Einschränkung, dass immer weniger Material zur Verfügung stand, umsetzen. Prinzipiell aber kam ich gut voran, Oberkörper, Kleid, Arme. Die Plastikfolie, die zwischen einigen Teilen hervorschaut hat die Aufgabe, das Zusammenkleben der Teile zu verhindern. Die folgendes Bilder sind ähnlich jenem des vorigen Beitrags, der Unterschied ist. Man kann jedoch gut das Netzt erkennen, auf das die Steine und das Glas geklebt werden:










… doch bei der grünen Mandorla kam ich dann doch leicht zum Verzweifeln. Auch wenn ich die Fläche mit viel Augen zudrücken mit dem vorhandenen Material annähernd füllen konnte, war ich mit den vielen kleinen Splittern und eingegangenen Kompromissen nicht wirklich glücklich. Es war unmöglich das Legebild des ursprünglichen Mosaiks mit den Splittern nachzuempfinden und so rang ich mich durch, Material nachzukaufen – auch wenn ich dabei von meinem Vorhaben, Figur und Mandorla nur mit Originalmaterial zu machen, abrücken musste. Es passte einfach das Gesamtbild nicht. Außerdem würde ich den Ausflug nach Italien sicher auch mit einem guten Essen in Italien verbinden können. Bei dieser Gelegenheit würde ich auch Steinmaterial nachkaufen, denn mit dem Vorhandenen würde ich, das hat sich schon vorher herausgestellt, nur einen kleinen Teil des Hintergrundes füllen können. Dank einer Mosaikkollegin in Spilimbergo, Dagmar Friedrich, bekam ich einen guten Tipp, wo ich Naturstein für Mosaik erwerben könnte und mit Farbmustern für Stein und Smalten ausgestattet wurde ich tatsächlich fündig. Eigenartigerweise musste ich beim Naturstein mehr Kompromisse eingehen als beim Glas. Die Grüntöne waren wirklich sehr, sehr ähnlich. Die Firma für mich ein Paradies. Mein Vorschlag, man könne daheim ja das Bücherregal gegen so etwas tauschen wurde leider nicht goutiert.





Bei den Steinen hingegen war es trotz riesiger Auswahl komplizierter das Passende zu finden. So hatte ich ein optisch sehr poröses „Gestein“ in mehreren Farben, welches zum Teil auch sehr schwer zum Bearbeiten war. Ich hatte dazu bereits vor der Fahrt nach Italien in einer Mosaik-Onlinegruppe um Rat gebeten und erhielt sehr brauchbare Antworten. Ein Teil davon dürfte Tuffgestein sein, den ich allerdings nirgendwo in brauchbarem Zuschnitt fand, ein Teil war aber tatsächlich ein alter Ziegel. Den fand ich zwar und er wurde mir auch in dünnere Platten geschnitten, aber die Farbe unterschied sich doch sehr stark. Hier würde erst der Zahn der Zeit etwas nagen müssen. Trotz aller Schwierigkeiten mit den Farben konnte ich mit (hoffentlich) ausreichend Material wieder nach Hause fahren. Und ja, ein gutes Essen in einem kleinen, wirklich sehr skurrilen Lokal fanden wir natürlich auch – das gehört bei einem Besuch in Italien einfach dazu.
Wieder zurück beim Mosaik überarbeitete ich große Teile der grünen Fläche und kam so wieder näher an das Original heran. Figur und Mandorla (inklusive Umrandung) bestand nun aus Platten auf Netz und war im Grunde ein großes Puzzle, welches ich später auf der Platte zusammenfügen und fix montieren werde. Die äußeren Bereiche hatte ich es zu diesem Zeitpunkt noch geplant direkt, ohne den Umweg über das Netz, auf die Platte kleben. Doch es sollte alles anders kommen.






Kurz Fernsehstar
Das Engagement Herrn Dr. Oberlerchners blieb nicht ganz unbemerkt und im Rahmen eines ORF-Beitrags zu seinem neuen Buch „Geschichten aus der Psychiatrie“ bekam auch der Auferstehende, da er ja in der alten Psychiatrie im Klinikum Klagenfurt war, Erwähnung. Eine versöhnliche Erwähnung angesichts der schlimmen Geschichten, die sich in der Vergangenheit dort abgespielt haben. Diese kurzen Dreharbeiten waren für mich eine neue Erfahrung – leider ist der Beitrag im Internet nicht mehr aufrufbar.

Das Problem mit der Platte:
Ich hatte mich in den letzten Monaten viel mit der richtigen Platte, auf die das Mosaik aufgeklebt werden soll, auseinandergesetzt und auch die perfekte Lösung gefunden. Verschiedenste Gründe, unter anderem der Preis für Platte, Zuschnitt und Lieferung, führte dazu, dass ich mich für die Variante Alugerüst mit aufgebrachter Platte – ebenfalls ein Tipp einer Mosaikkollegin – entschied. Es war schon alles besichtigt, besprochen und geplant, doch als ich das Alugerüst ordern wollte fiel der Lieferant unerwartet aus. Ich war ehrlich gesagt etwas verzweifelt, da das Mosaik nun doch langsam den Endspurt antreten sollte. Hilfe und Unterstützung kam dann von unerwarteter Seite über Freunde – und wie so oft im Leben führte diese Herausforderung wahrscheinlich zur besseren Lösung: Die Firma Nittoku in Klagenfurt sponserte die Aluprofile, Verbindungselemente und Schrauben für das Gerüst. Das Zusammenschrauben übernahm ich selbst und war fasziniert von dem ausgeklügelten und durchdachten System. Auf das Gerüst klebte und schraubte ich von beiden Seiten jene Platte, auf die das Mosaik dann aufgebracht werden wird.




Bevor ich nun mit dem Montieren des Mosaikpuzzles begann, wog ich alles noch ab: Alugerüst mit Platte ca. 55kg, die einzelnen Teilen der Figur und Mandorla ca 40kg – ja, auch ich hätte gedacht es wird schwerer sein. Der Hintergrund würde später noch einiges an Gewicht hinzufügen. Nun konnte ich die ersten Puzzleteile auf die Platte geben. In den folgenden Fotos kann man gut die einzelnen Puzzleteile erkennen, deren Ränder meistens vorgegebenen Linien im Mosaik folgen:






Das war nun auch der Zwischenstand des Mosaiks während der Int. Mosaikausstellung in der Villa For Forest. Da ich in einer alten Villa im ersten Stock arbeitete und das gesamte Werk ja auch von hier weg transportiert werden wird müssen, stellte ich nun die Überlegung an, nur das bislang auf Netz geklebte – also Figur mit dem Oval – auch tatsächlich auf der Platte fix zu verkleben und den Hintergrund wiederum in Teilen auf Netz – nur mit dem Unterschied, diese erst fix zu montieren, wenn das Mosaik eine neue Heimat gefunden haben wird. Ich hielt Rücksprache mit Herrn Bauer und Herrn Dr. Oberlerchner, die beide dieser Idee positiv gegenüber standen. Die Abschnitte des Hintergrunds waren deutlich rascher geklebt, da ich neben ein paar markanten Teilen, die ich an die Originalstellen gab zu einem Großteil mit nachgekauftem Material arbeitete und damit die ganze Sucharbeit wegfiel.








Jedenfalls wurde ich rechtzeitig fertig, damit das Mosaik zur Ausstellung in die Alpen-Adria-Galerie zur Karl Bauer Ausstellung anläßlich seines 120. Geburtstages transportiert werden konnte. Den Hintergrund nahm ich wieder ab, nummerierte die einzelnen Stücke und verteilte sie auf Bretter, damit alles gut transportiert werden kann. Das Gerüst und die Platte zeigten sich ausreichend stabil für den Transport, allerdings mussten die beiden Männer all ihre Kräfte zum Einsatz bringen – vor allem das Tragen über die Stiege war eine Meisterleistung. Der Vorangehende meinte zwischendurch, dass er sich sein Ende anders vorgestellt habe, als von einem Mosaik erschlagen zu werden, woraufhin ich erwiderte, dass es nicht nur ein Mosaik sei, sondern der Auferstehende. Spoiler: es passierte niemanden etwas und das Mosaik sowie die beiden Männer kamen unversehrt in der Alpe-Adria-Galerie an.






Noch ist die Reise des Auferstehenden nicht beendet, aber er fand vorübergehend in der Ausstellung , anlässlich des 120 Geburtstages des Künstlers Karl Bauer und erhielt viel Beachtung. Die Ausstellung „Farbe . Form . Erinnerung“ dauerte von 24. Juni bis 9. September 2026. Während einer Matinee im Juli präsentierte ich vor einem überraschend großem Publikum die Geschichte rund um die Rekonstruktion des Mosaiks.



Zuvor aber wurde der Auferstehende – also noch unvollendet – erstmals während einer internationalen Mosaikausstellung in der Villa For Forest gezeigt – passend umrahmt vom Kreuzweg, dessen Mosaike im Rahmen zweier Symposien 2017 und 2018 „Via Crucis – Verso la luce“ in Udine entstanden sind.