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1. Internatiomales Mosaiksymposium in Rio Cuarto | Argentinien. 19. – 30.09.2026

    Zwischen Buenos Aires und der Pampa

    Ein Mosaiksymposium bedeutet intensives Arbeiten, ist aber auch immer in einem spannenden Setting. Rio Cuarto, mitten in der Pampa der Provinz Cordoba ist ja nicht unbedingt ein Katzensprung von Klagenfurt entfernt, so dass ich zur Optimierung der Anreise beschloss, bei der Gelegenheit zwei Tage Buenos Aires kennen zu lernen:

    Zu Fuß durch Buenos Aires

    Bevor ich in Buenos Aires ankam, hatte ich in den letzten Tagen vor meiner Abreise richtig Angst vor dieser Stadt bekommen und mich schon über mich selbst geärgert, wie naiv ich gewesen war, zwei Tage allein als Frau dort verbringen zu wollen. Eine Mosaik-Freundin hatte mich bzw. uns gewarnt, dass sie vor zwei Jahren dort komplett ausgeraubt wurde. Umbuchen wäre für mich zu teuer gewesen, und so habe ich versucht, mich gut darauf vorzubereiten, was passieren könne und wie ich den Gefahren, die real sind, am besten ausweichen könne. Sie hat nicht nur mich verunsichert. In unseren Gesprächen während des Symposiums erzählten alle, die über Buenos Aires anreisten, dass sie auch stark verunsichert waren. Was soll ich sagen: Ich habe Buenos Aires letztendlich so richtig genossen. Über 35.000 Schritte am Tag führten mich durch die bunte und lebendige Stadt, kreuz und quer, und ich kann mir sehr gut vorstellen, hierher noch einmal zu kommen. Zwei Tage sind definitiv zu wenig, es gibt noch viel mehr zu sehen.

    Mir ist es wichtig, eine Stadt gehend kennenzulernen. Man kommt dadurch in Straßen, die man als Touristin sonst wohl eher nicht sieht, man bekommt mehr davon mit, wie sich die Leute bewegen, welche Geschäfte wo sind, wie es riecht, wie der Verkehr fließt, und man sieht natürlich nicht nur die glattgebügelten Fassaden. Zwei Tage lang war ich so in Buenos Aires unterwegs: Recoleta inklusive dem absolut sehenswerten Friedhof, in dem z. B. Eva Perón begraben liegt, die große Metallblüte (Floralis Genérica), der Japanische Garten, San Telmo, Palermo Soho, die Einkaufsstraße, die Casa Rosada, dazu Tango auf der Straße (sehr touristisch) und die Tücken rund um Retiro. Der einzige Tango, der mich hier beeindruckt hat, war tagsüber auf der Plaza de Mayo mit einer extrem zarten Frau im Rollstuhl. Das war Gänsehautfeeling. Wer sich durch Buenos Aires bewegt, hat in Bezug auf die Straßen- und Stadtteilnamen bald das Gefühl, eine Weltreise zu machen. So entdeckte ich, wohl mehr aus Zufall, sogar Österreich – oder besser gesagt die Calle Austria.

    Wie sicher fühlte ich mich?

    Das Sicherheitsgefühl in Buenos Aires dürfte ein komplett anderes sein, als wir es hier in Österreich haben. Mich allein in ein Restaurant zu setzen, ist nicht so mein Ding. Verhungert bin ich trotzdem nicht. Ich kaufe mir gerne etwas unterwegs, setze mich in einen Park und beobachte während des Essens das Leben und Treiben um mich. So kam ich zufällig an einem Geschäft vorbei, auf dem ganz groß „sin gluten“ stand, und entschloss spontan, mir dort etwas zum Essen zu holen. Die Tür war zugesperrt, doch bevor ich mich darüber wundern konnte, kam der Inhaber, sperrte auf, ließ mich eintreten und sperrte hinter mir wieder zu. Das wiederholte sich kurz darauf mit einer weiteren Person. Da ich wirklich kein Wort Spanisch kann, unterhielten wir uns schnell auf Englisch darüber, woher ich komme (lustig, er war eine Zeit lang in Innsbruck – konnte aber kein Deutsch mehr … er war aber stolz auf seine Panier, die er in Österreich kennen gelernt hatte) und was ich hier mache. Er versicherte mir, dass Argentinien in Südamerika als das Land mit der niedrigsten Kriminalitätsrate gelte – während er zugleich sein Geschäft für jeden Kunden auf- und dann sofort wieder zusperrte. Ich fand es irgendwie sehr skurril, hatte in dieser konkreten Situation jedoch keinerlei Bedenken.

    So fühlte ich mich in Buenos Aires relativ sicher – bis auf zweimal. Das erste Mal bei der Torre Monumental, wo ich das Gefühl hatte, dass junge Männer nach potenziellen Opfern Ausschau haltend umherstreifen. Sie bewegen sich einfach anders als Menschen, die irgendwie von A nach B gehen oder wie ich den Turm anschauen wollen. Ich blieb daher gerade nur für eine Fotolänge.

    Das zweite Mal war vor dem Eingang zum Busbahnhof Retiro, wo ich aber instinktiv – wohl auch aufgrund meiner Vorbereitung auf diesen berüchtigten Busbahnhof – richtig reagiert habe. Ich kam, wie empfohlen, mit dem vorab bezahlten Taxi, das mich unmittelbar vor dem Eingang aussteigen ließ. Prompt kam ein offensichtlich hilfsbereiter Mann auf mich zu und hatte schon meine Hand, die den Koffer hielt, in seiner. Ich hielt instinktiv fester und fauchte nur – warum auch immer auf Italienisch – „lasciami!“. Er ließ sofort los, ich hatte noch meinen Koffer und ging entschlossenen Schrittes rasch die wenigen Meter zum Eingang.

    Sehr entspannt bin ich dann mit dem Nachtbus nach Río Cuarto gefahren. Die Busse haben Liegesessel, die man sehr gut zurücklehnen kann und die auch genug Platz bieten. Ja, ich habe tatsächlich auch geschlafen und bin relativ erholt in Río Cuarto angekommen, wo ich von Lorena abgeholt wurde und ab diesem Moment gut umsorgt war.

    Einen Tag gewonnen

    Der erste Tag hätte eigentlich noch arbeitsfrei sein sollen. Es war nur am Abend die Eröffnungsfeier am Plan. Doch wer bereits da war nutzte die Zeit, bereits anzufangen. Blöd, ich hatte mein Werkzeug noch im Appartement gelassen. Es ging trotzdem, und so hatte ich bereits einen Tag vor dem offiziellen Beginn die Basis meines Mosaiks fertig. Also einen Tag gewonnen – das ist bei der doch relativ kurzen Zeit sehr vorteilhaft -, sollten wir doch ein Mosaik mit mindestens 70 x 70 cm umsetzen. Ich rechnete die Fläche auf einen Kreis um. Als Material wurde uns eine große Bandbreite zur Verfügung gestellt, wobei vor allem die Smaltistücke auffielen. Sie wurden extra für das Symposium von einem kleinen Unternehmen direkt in Rio Cuarto gefertigt. Abgesehen davon, dass die Küchlein ein wenig dünn waren, war ihre Qualität absolut in Ordnung und auch die Farbauswahl durchaus herzeigenswert.

    Das sind wir:

    vordere Reihe, hockend: Mari Sangoi (Brasilien), Guillermina Gomez (Argentinien), Lorena dos Santos (Organisation), Giorgia Palombi (Italien), Karla Silva (Mexiko), Agnieszka Kwiatowska (Polen), Megan Walsh (USA), Angela Zimek (Österreich)
    hintere Reihe: Daniela Fuentes (Organisation), Vizerektorin Nora Bianconi, Carmela Cignetti (Organisation), Carolina Marconi (vorne, Argentinien, Organisation) dahinter Alejandra Vidal (Organisation), Giulio Menossi (künstlerischer Leiter), Philippe Ronzat (Frankreich), Adelaida Rosh (Russland), ?

    Die Arbeitstage danach waren intensiv – wir wurden in der Früh abgeholt, dann gab es ein gemeinsames Frühstück bereits in der Uni, anschließend ging es los mit der Arbeit bis Mittag, Mittagessen, Arbeiten an fast allen Tagen bis mindestens 19:00 Uhr. Am Abend – eher spät – in Argentinien wird spät zu Abend gegessen, gab es ein gemeinsames Essen. Manchmal in einem Restaurant, andere Male waren wir privat eingeladen oder aßen sogar in der Uni. Die Tage empfand ich trotz intensiver Arbeit und ständigem beieinander Sein es als sehr entspannt. Die Gruppe war überaus harmonisch und auch der Humor blieb nicht auf der Strecke. Neben der Arbeit wurde geplaudert, gelacht, Kaffee, Tee sowie gelegentlich mit Bier oder Wein auf unser Tun angestoßen – aber meistens versanken wir in unserer Arbeit und zum Teil auch ein wenig im unvermeidbarem Chaos:

    Mein Mosaik

    Meine Arbeit schritt zügig voran, und alle wunderten sich über mein rasches Vorankommen. Ich nutzte das Symposium, um eine doch etwas andere Legeart als üblich auszuprobieren, und war schlau genug, mit nicht zu kleinen Teilen zu arbeiten. Das war wohl auch das Geheimnis meiner schnellen Fortschritte. Ich bekam viel Aufmerksamkeit und Begeisterung sowohl von den anderen Mosaizist:innen wie auch von den wirklich vielen Besucher:innen. Schwierigkeiten hatte ich keine, nur kurz ein wenig farbliche Materialsorgen. Doch zum Ende hin war plötzlich mehr als genug wieder vorhanden, weil mir jede das brachte, was sie selbst nicht mehr benötigte. So konnte ich mein Mosaik rechtzeitig fertigstellen, im Grunde einen Tag vor Arbeitsende. Den Notfallplan hatte ich immer im Kopf: bestimmte Elemente eventuell nicht als Mosaik zu machen, sondern anders zu gestalten, sollte die Zeit knapp werden. Allerdings bin ich ein Fan von Mosaik, und es gefällt mir richtig gut, wenn es flächendeckend ist – vor allem auch dann, wenn ich mit Strukturen spielen kann.

    Das Thema „RASTROS – Sedimentos antropológicos“ („Spuren – anthropologische Ablagerungen“) nahm ich wörtlich und spannte einen Bogen von der Arte Rupestre aus der Sierra de Córdoba zu unseren problematischen heutigen Spuren, dem Plastik, mit dem wir die Welt überziehen. Übrigens eine traurige Tatsache, dass man dies in Argentinien sehr deutlich sah. Die Straßen wurden zwar gesäubert, doch Plastik findet sich in Bäumen, auf Feldern – eigentlich überall. In der gedachten zeitlichen Mitte habe ich noch alte Glasreste bzw. Glasabfall verarbeitet, um zu zeigen, dass die Menschheit immer schon alles einfach hat liegen lassen. Symbolisch – so alt war mein Glas dann doch nicht. Was ich aber damit zeigen wollte, ist, dass Menschen immer schon Dinge hinterlassen haben: Waren es in frühester Zeit Knochen und bearbeitete Steine, gab es später unter anderem Glasreste, -scherben und Keramiken. Der Mensch ließ, so einmal ein Archäologe bei einer Führung, immer schon alles liegen, so wie wir heute eben unseren Abfall. Seien es Felsmalereien, sei es Abfall aus Produktionen, sie stellten zumindest kein Problem für die Natur und die Tierwelt dar. Heute: Plastik ist überall – auf Wiesen, auf Bergen, selbst in schieren Mengen im Ozean, und es ist unbestritten ein Problem für die Fauna. Der Titel meines Mosaiks: „Was wir hinterlassen“.

    Wie auch immer: Die Leute waren von meinem Mosaik begeistert … und ich im Großen und Ganzen auch. Ganz zufrieden ist man sowieso nie, das ist wie mit Kleidung oder Frisuren.

    Das Symposium war auf Öffentlichkeit hin organisiert. Das hieß Besuchsmöglichkeit, was teilweise recht anstrengend war, weil die Leute natürlich mit uns reden und Fotos machen wollten. Dazu kamen an drei Tagen Konferenzen, in denen wir über Mosaik in unseren Ländern und über unsere Werke sprachen.

    Die Pampa

    Neben der Arbeit haben wir natürlich auch zumindest bei unserem Ausflug die Pampa gesehen. Was bei uns eher abwertend gemeint ist („du lebst ja mitten in der Pampa“), wird dort mit Stolz gelebt. Die Pampa ist riesig, und der Frühling beginnt gerade, alles in ein Grün zu tauchen. Die berühmten großen Rinderherden habe ich jedoch nicht zu Gesicht bekommen.

    Einen Tag hatten wir arbeitsfrei und fuhren ca. 2 Autostunden entfernt nach Villa General Belgrano, einer kleinen Stadt, die dort irgendwie aus dem argentinischen Kontext gefallen zu sein scheint. Die Vorbereitungen für das Oktoberfest waren in vollem Gange (mehr Klischee geht nicht mehr, allerdings habe ich keine Lebkuchenherzen gesehen – wäre vielleicht noch ein Marketingtipp. Lässt sich sicher auch mit der Nationalsüßigkeit Dulce de Leche irgendwie machen). Auch der Baustil ahmt den bayerischen nach – oder versucht es zumindest. Viel Holz. In den Straßen reihte sich Souvenirgeschäft an Souvenirgeschäft, unterbrochen von ein paar Kleider- und Süßigkeitenläden. Giulio hatte dort einen Vortrag, danach spazierten wir ein wenig durch die Straßen, besuchten die kleinen Läden und aßen anschließend gemeinsam in dem Restaurant, in dem Guilles Mann arbeitet, bevor es wieder zurück nach Río Cuarto ging.

    Río Cuarto – ein paar Eindrücke

    Bei der Stadtführung staunte ich, wie man mit fast nichts eine Führung machen kann. Wir sahen den großen zentralen Park mit künstlichem Teich, auf dem man sogar Tretboot fahren konnte, eine Kirche, das Theater und ein paar Mosaike, die aber für europäisches Empfinden nicht alt waren (wie auch, die Stadt selbst wurde erst 1786 gegründet). Genau genommen sind die Mosaike erst in den letzten Jahren entstanden. Spannend fand ich das kleine Theater, in dem uns eine Uni-Gruppe traditionelle argentinische Musik und Tänze zeigte. Ich habe zwar keine Ahnung davon, aber der Tango, der hier gezeigt wurde, hatte eine ganz andere Qualität als jener in der Einkaufsstraße in Buenos Aires.

    Río Cuarto fällt schon durch den Baustil (und die Stilbrüche) seiner Häuser auf. Es sind meist eingeschossige Gebäude, die je nach Straße mit österreichischen Augen sehr gepflegt bis sehr heruntergekommen wirkten. Vor den Häusern – zumindest abseits des Zentrums – schien jeder selbst für den Gehsteig verantwortlich zu sein, denn der war ein Fleckerlteppich, was ich aber eher positiv sah. Für das Auge ist die Abwechslung ein Genuss. Allerdings musste man auch immer mit einem Auge am Gehsteig sein, denn Löcher und Unebenheiten gab es genug. Mich wundert, dass ich nicht zumindest einmal gründlich umgeknickt bin. Je weiter man sich vom Zentrum entfernt, umso mehr gibt es auch nicht asphaltierte Straßen, womit man schnell sein tägliches Feinstaubpensum überschritten hat. Das erklärt vielleicht auch den für mich staubigen Charakter Río Cuartos. Etwas, das ich in Buenos Aires so nicht empfunden habe. Übrigens war die einheitliche Meinung, dass in Österreich immer alles sehr sauber und geordnet ausschaut. Und es immer kalt ist. Zumindest Letzterem habe ich deutlich widersprochen mit dem Hinweis, dass wir in Klagenfurt heuer deutlich mehr als 40 Tage mit über 30 Grad im Sommer hatten.

    Vom Prinzip her erinnerte mich das Ganze an die Straßendörfer im Burgenland: Hinter der Straßenfassade zieht sich der Gebäudekomplex nach hinten, wo es auch einen Innenhof, den Patio, gibt, in dem sich in der warmen Jahreszeit das Familienleben abspielen soll, von der Straße aus uneinsehbar. In den letzten Jahren werden aber immer mehr Hochhäuser gebaut, und das gleich richtig: Neben einem eingeschossigen Bau kann durchaus ein 20-stöckiges Hochhaus stehen. Oder auch neben einer Kirche. Ich will jetzt nicht unbedingt behaupten, dass das vielleicht ein wenig den Charme der Stadt ausmacht. Macht es nicht.

    Was auffällt, sind die vielen Elektroleitungen, die sich wie Girlanden kreuz und quer über die Straßen spannen. Über den Einkaufsstraßen im Zentrum hängen tatsächlich Lichterketten. Ein wenig Weihnachtsbeleuchtungsfeeling mitten im argentinischen Frühling.

    Der Campus

    Das Gelände der Universität ist riesig, auch weil die Landwirtschaft ein großes Thema dort ist. So habe ich, da bereits mit meinem Mosaik fertig, bei einem Spaziergang über das weitläufige Campusgelände doch noch ein paar Rinder gesehen – und Pferde. Die Bäume werden von riesigen Völkern laut streitender grüner Papageien bevölkert, die wirklich riesige Nester bauen. Unser Weg führte uns auch am Rio Cuarto – auch Chocancharava genannt – vorbei. Alles wirkte unglaublich weit, und es kam auch etwas Pampa-Feeling auf. Übrigens werden hier auch tatsächlich noch Pferdefuhrwerke verwendet. So sahen wir am gegenüberliegenden Ufer ein paar Leute mit einer Kutsche zum Flussufer fahren, welches dort deutlich sanfter als auf unserer Seite war (Aber auch in der Stadt selbst habe ich das eine und andere gesehen)

    Noch etwas – zumindest für mich – Skurriles

    Eine Kleinigkeit, die ich als Europäerin erst einmal verdauen musste: Die meisten WCs waren nicht verschließbar. Selbst in Restaurants nicht, an der Uni ohnehin nicht, und privat schon gar nicht. Man behilft sich, indem man die Tür einfach zudrückt, sofern sie nahe genug am WC selbst ist – wenn nicht, hofft man, dass andere WC-Geher klopfen, bevor sie die Tür aufmachen. Das geht erstaunlich gut, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Den Höhepunkt erlebte ich in Villa General Belgrano, im Kulturzentrum: Dort schwangen die WC-Türen wie in den Filmen bei den Westernsalons in beide Richtungen. Blöd irgendwie, zumindest für europäische Gewohnheiten.

    Salz, Zitrone und Empanadas

    Glutenfreies Essen war überhaupt kein Problem, und ich hatte auch den Luxus, dass Carmela mir glutenfrei backte. Und das richtig gut. Um das Rezept werde ich sie auf jeden Fall noch bitten. Ich war froh, angegeben zu haben, dass ich nicht viel Fleisch esse, denn die Küche ist wirklich sehr fleischlastig. Allerdings türmen sich nicht, wie man erwarten würde, die Steaks, sondern es gibt sehr viel Huhn … und Ei, quasi zu jedem Essen. Aber auch Salat und Gemüse, viel Süßkartoffel. Und das scheinbar ungesalzen. Einen Pfefferstreuer sah ich genau ein einziges Mal.

    Auch Essig und Öl sind nicht selbstverständlich, häufig wird der Salat nur mit Zitrone verfeinert. Die Salzgeschichte ist, wie ich recherchiert habe, seit einigen Jahren gesetzlich verordnet, um den Salzkonsum zu reduzieren. Aufs Öl beim Salat verzichtet man gerne, da es nicht unbedingt das ist, was wir hier gewohnt sind. Häufig wurden wir privat eingeladen, und es wurde richtig aufgetischt – mit wenig Salz und fast immer nur mit Zitrone zum Salat. In den Restaurants gab es natürlich auch Olivenöl und Salzstreuer – Letzteres zumindest auf Nachfrage.

    Dankbar bin ich, dass ich auch Empanadas kennenlernen konnte, halt in glutenfreier Variante. Die waren wirklich ausgesprochen gut und sind etwas, das ich unbedingt nachkochen muss.

    Wir tauschten auch ein paar Delikatessen unserer Herkunftsländer. Meine Schokolade eines prominenten Herstellers in Österreich kam sehr gut an. Das meiste konnte ich nicht kosten, aber der süß-sauer-pikante Tamarindensnack von Karla aus Mexiko hat es mir sehr angetan. Ob ich den irgendwo herbekomme?

    Mate … oder: Heu im Wasser

    Und dann ist da noch der Mate. Er ist in Argentinien extrem beliebt: Gefühlt hat jede:r den typischen Becher dabei und nuckelt genüsslich daran, egal ob unterwegs, bei der Arbeit oder in gemütlicher Runde. Der Becher ist meist ein kleiner, ausgehöhlter Kürbis – wirklich klein, viel Wasser hat da nicht Platz -, oft mit Metallrand, häufig mit Leder überzogen. Dadurch wirkt der Becher gar nicht so klein, und es scheint auch für jede Handgröße passende Becher zu geben. Es gibt natürlich neben den klassischen Bechern auch solche aus Plastik – dann deutlich günstiger. Getrunken wird mit der Bombilla, ein Trinkhalm aus Metall mit einem kleinen, löffelartigen Sieb am unteren Ende, das die Teeblätter zurückhält. Dazu gehört die Thermoskanne mit heißem Wasser. Ich muss gestehen: Für mich schmeckt er, als würde man Heu in Wasser ziehen lassen. Aber ich gebe ihm vielleicht noch eine Chance, sollte ich noch einmal nach Argentinien kommen, schließlich scheint der Matetee ja Millionen Menschen gut zu schmecken.

    Anmerkung: Ich war gesamt von 16. September bis 2. Oktober 2026 unterwegs.